Seit 1988 betreibt Karsten Bott das "Archiv für Gegenwarts-Geschichte“, in dem er Gegenstände sammelt, die uns täglich umgeben. Das Archiv umfasst derzeit etwa 300 000 Objekte. Sein Archiv besteht im Wesentlichen aus gefundenen beziehungsweise gekauften Alltagsgegenständen. Er sieht sie als Geschichtsdokumente der Menschheit an.

Wie wirken Dinge auf uns? „Durch das Einbinden in das Archiv überprüft ich sie unter verschiedenen Aspekten: Herkunft, Entstehungszeit, Materialität, Funktion im Entstehungsjahr, Haltbarkeit, Funktionsfähigkeit, Werbegeschichte, Veränderung der Objektfunktion, Form des Objektes Zugehörigkeit in Objektgruppen.“

„Anhand dieser Überprüfung wird zum Beispiel eine mögliche Veränderung der Dinge von Handwerk über Mechanisierung zur Computerisierung sichtbar. Ein Auto z.B. ist eine steinzeitliche Feuermaschine mit einfachsten Funktionen wie Zündung durch Funken. Die Weiterentwicklung im digitalen Zeitalter betrifft aber eher das Zubehör und damit keine wirklich durchgreifenden Basisveränderungen. Welche Rolle spielen Konsumverhalten, Modeverhalten, beziehungsweise Wegwerfgesellschaft? Zum Beispiel sind billige Dinge normalerweise weniger haltbar. Unter dem Aspekt der Erforschung menschlichen Verhaltens erfährt die Beobachtung der Dinge im alltäglichen Umgang eine zusätzliche Bedeutung.“

Welche Rolle spielen Objekte im Zusammenleben innerhalb einer Familie, eines gemeinsam genutzten Terrains wie dem Bad oder der Küche? Welche Beziehung haben die Dinge untereinander?
„Die Dinge werden katalogisiert und mit Querverweisen versehen, dadurch bilde ich ein netzartiges Abbild der Welt. Bei der Archivierung behandle ich alle Dinge gleich innerhalb der erarbeiteten Strukturen. Durch reduzierte Fotografien der Objekte wird eine Art Gleichgewicht hergestellt und eine notwendige Betrachtungsdistanz auf Werte ermöglicht, die wir immer wieder mit neuem Blick unvoreingenommen betrachten sollen, um den Menschen und sein alltägliches Leben zu verstehen.
Seit der Gründung des Archivs denkt Bott über Präsentationsformen nach.“